AG-AQUA
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Tauchsportzentrum und Fachhändler für Unterwasservideo, - Fotografie mit Stammsitz im Walzbachtal
Grundlagen der Unterwasserfotografie
1. Kapitel Vom Lichtstrahl der Sonne zum Farbenprächtigen UW- Foto
Oder
Das physikalische Verhalten von Licht unter Wasser
2. Kapitel Die Qual der Wahl. Welche Fotoausrüstung ist die richtige für mich?
3. Kapitel 12 einfache Regeln für erfolgreiche Unterwasser- Bilder
1. Kapitel
Vom Lichtstrahl der Sonne zum farbenprächtigen UW- Foto
oder
Das physikalische Verhalten von Licht unter Wasser
Auf gewisse physikalische Grundlagen der UW- Fotografie und
der daraus resultierenden Veränderungen, kann und muss der UW- Fotograf
immer wieder zurückgreifen. Nachfolgend werden die wichtigsten physikalische
Begriffe erläutert, die der UW- Fotograf wissen muss.
Begleiten wir nun einen Lichtstrahl von der Sonne, durch die
Wasseroberfläche bis er letztendlich unser Film in der Kamera belichtet.
a. Der
Lichtstrahl
Mit
einer Lichtgeschwindigkeit von 300.000 km pro Sekunde rasst unser
Lichtstrahl von der Sonne auf die Erde zu. Dieser Strahl besteht aus
elektromagnetischen Wellen. Das sind Wellenschwingungen, die sich im Bereich
von milliardstel Millimeter fortbewegen. Diese Wellenlänge wird in Nanometer
(nm) angegeben und erscheint unserem menschlichen Auge als ein weißes Licht.
Wird dieser Lichtstrahl durch ein Glasprisma geleitet, wird er in die
Spektralfarben von Violett über Blau, Grün, Gelb, Orange bis Rot zerlegt.
Dabei hat jede Farbe eine andere Wellenlänge, z.B. Violett 350 nm oder Rot
700 nm. Beim Eintritt unseres Lichtstrahles in die Erdatmosphäre, ist dieser
durch die lange Reise im Weltall ein wenig geschwächt. Trotz Wassertröpfchen
und Schmutzteilchen in unsere Atmosphäre, tritt er aber praktisch
ungehindert auf die Wasseroberfläche auf. Ab hier beginnt das große
Abenteuer unseres Lichtstrahles.
b. Reflexion
Je
nach Sonnenstand wird unser Lichtstrahl von der Wasseroberfläche mehr oder
weniger reflektiert. Es dringt nur ein Teil des Lichtstrahles in die
Wasseroberfläche ein. Es ist ein Irrtum zu glauben, mit der Verwendung eines
UW- Blitzes wäre dann das Problem gelöst (......aber dazu später). Die
besten Voraussetzungen für brillante Unterwasser- Bilder sind, bei
strahlendem Sonnenschein gegen 12:00 h mittags und bei absolut ruhiger See
einen Tauchgang zu unternehmen. Bei diesen Bedingungen haben wir gleich zwei
Probleme umgangen. Bei tiefem Sonnenstand, am frühen Morgen oder gegen Abend,
gehen bis zu 25 % der Lichtenergie verloren. Herrscht zudem starker Seegang,
gehen nochmals 40 % durch ständige Änderung des Einfallswinkel des
Lichtstrahles verloren. (Siehe auch Skizze)
c. Refraktion
Bevor aber unser Lichtstrahl letztendlich die Wasseroberfläche durchdringt,
muß dieser die Refraktion überwinden. Aufgrund der verschiedenen
Brechungsindizes von Luft (1,00) und Wasser (1,33) wird beim Übertritt von
einem Medium zum anderen der Lichtstrahl gebrochen. Diese Bildhebung bewirkt
für unser Auge und Kameraobjektiv eine scheinbare Verkürzung der Entfernung
um 1/4. Daher erscheinen alle Gegenstände unter Wasser näher und dadurch größer.
Mit diesem Phänomen haben, vor allem die Beginner der UW- Fotografen beim
Schätzen der Entfernung oder "Zielen des Blitzes" zu kämpfen. Deshalb immer:
"Scharfstellen des Objektives auf die scheinbare Entfernung und Zielen mit
dem Blitz auf die tatsächliche Entfernung zum Motiv".
d.
Extinktion
Nachdem unser Lichtstrahl durch Ablenkung und Abknickung endlich in das
Wasser gelangt ist, wird er auch noch in seiner Intensität und Kraft beraubt.
Diese Energie wird in Wärme umgesetzt, ein Teil durch die Schwebestoffe
absorbiert und in alle Richtungen diffundiert. Nun betrachten wir aber
zuerst die Tatsache, dass mit jedem Meter Weg der unser Lichtstrahl durch
das Wasser vordringt, die Farben herausgefiltert werden. Dieses Phänomen
wird Extiktion genannt. Zuerst werden die Roten bei 3 m, dann die Orangenen
bei 10 m und Gelb bei 30 m. Grün und Blau halten am Längsten durch. Der
Fotograf muß wissen, daß selbst in geringer Tiefe es unmöglich ist, ohne
Blitz farbrichtige Bilder zu fotografieren. Bei einer Aufnahmedistanz von
mehr als 1,5 Meter ist Rot nicht mehr Rot, selbst unter Verwendung der größten
"Blitzkanone". Die vom Blitz ausgestrahlte Energie wandert vom Blitz zum
Motiv und von da zum Objektiv. Die Strecke von 1,5 m verdoppelt sich somit
auf über 3 m, womit die Grenze für Rot erreicht ist.
e. Diffusion
Alle Gewässer ob Meer- oder Seewasser, enthalten Partikel, die einen
organischen oder anorganischen Ursprung haben. Je nachdem ob das Gewässer
mehr oder weniger Partikel hat, sagen wir: " Das ist heute eine suuuper
Sicht!". Unser Lichtstrahl wird je nach größer dieser Partikel mehr oder
weniger diffundiert, also zerstreut. Dies hat zur Folge, daß neben der
allgemeinen Schwächung der Energie, der Kontrast stark vermindert wird. Die
Auswirkung der Diffusion hängt von der Anzahl und Größe der Partikel im
Wasser ab. Gegen diese Auswirkung ist der UW- Fotograf machtlos. Im
ungünstigsten Fall, kann er die Diffusion noch verstärken, in dem er nicht
perfekt tariert ist und noch mehr Partikel aufwirbelt. Diese Partikel
behindern nicht nur unseren Lichtstrahl, sonder erschwert auch noch den
Einsatz unseres UW- Blitzgerät. Auf unserem Foto erscheinen, durch den Blitz
noch verstärkt, die Schwebeteile als helle Flecken. Trotz diesen Umständen,
können perfekte UW- Bilder entstehen. Die Distanz zwischen Kameraobjektiv
und Motiv soll so gering wie möglich gehalten werden. Mit der Blitzstellung
und dem Einsatz eines Weitwinkelobjektives können wahre Wunder, selbst bei "Schlechter
Sicht" entstehen.
f. Totalreflexion
Was
wir bei der Reflexion schon kennen ist bei der Totalreflexion noch extremer.
Ist der Einfallswinkel unseres Lichtstrahles zum Lot hin größer als 48,5 °,
wird er im gleichen Winkel zurückreflektiert. Ist er kleiner, tritt er aus
dem Wasser aus. Bei richtigem Einsatz dieser physikalischer Bedingung,
können sehr kreative Bilder entstehen. Z. B. kann ein schwimmender Taucher,
nahe an einer völlig glatter Wasseroberfläche, so klar und deutlich
abgezeichnet werden, als tauche er unter einem Spiegel hinweg. Einen
Nachteil dieser Totalreflexion ist aber bei Kunstlicht zu beachten. Wird das
Gesicht eines Tauchers hinter der Maske zu seitlich anvisiert oder
ausgeleuchtet, dringen die Lichtstrahlen nicht durch das Glas hindurch. Was
bleibt ist eine schwarze Fläche.

Totalreflexion von Taucher und Boden
an der Wasseroberfläche
g. Aberration
Zuguter letzt müssen wir noch mit der Aberration kämpfen. Als Aberration
wird die Abweichung unseres Lichtstrahles bezeichnet, der auf seinem
geradlinigen Weg durch das Wasser in der Frontscheibe und beim Austritt in
die Luft in der Kamera erneut gebrochen wird. Schließlich dringt er in das
Objektiv ein, wo er noch einmal gebrochen wird. Wir müssen wissen, dass bei
Weit- aber vor allem bei Superweitwinkel dieser Fehler besonders hinter
einer falschen Port- Scheibe begünstigt wird. Vor allem ist auch die
Qualität des Objektives zu achten.
Nach dieser langen Reise unserem anfänglich starken Lichtstrahl von der
Sonne ist nun endlich ein kleiner Teil in unser Objektiv gelangt. Aber nicht
genug. Bis unser Film richtig belichtet ist, können oder müssen wir (mehr
oder weniger) verschiedene Einstellungen an unserer Kamera vornehmen. Die
Belichtung des Filmes wird durch zwei Parameter bestimmt.
- Blende
- Verschlusszeit
Durch das Zusammenspiel dieser beiden Parameter wird die Menge Licht auf den
Film bestimmt, die für eine korrekte Belichtung notwendig ist.
h. Die
Blende
Die
maximale Lichtmenge, die auf den Film auftreffen kann, ist durch den
Durchmesser der Linse begrenzt. Die Blende kann mathematisch berechnet
werden, indem man die Brennweite des Objektives durch den effektiven
Durchmesser dividiert. Die größte Blende des jeweiligen Objektives ist im
Frontring der Linse eingraviert in der Form f = 1:2,8 (f/2,8) und wird oft
als "Lichtstärke" bezeichnet. Je kleiner die Zahl ist, umso lichtstärker ist
das Objektiv. Experten meinen, dass die Lichtstärke von Objektiven unter
Wasser eine untergeordneter Bedeutung spielt. Es wird ohnehin mit Blitz
fotografiert. Allerdings liefern lichtstarke Objektive ein helleres Suchbild,
der Autofocus findet die Konturen vom Motiv zum Scharf stellen besser und
gerade in Grenz- Situationen (z.B. Dämmerung oder trübes Wasser) werden die
Bilder "einen Kick" brillanter.
Etwas verwirrend ist, dass die kleinere Blende eine größere Zahl besitzt.
Aber Merke: die Blende wird als Bruch aus der Brennweite f und dem
effektiven Linsendurchmesser gebildet. Das bedeutet:
f/2
= 1/2 =
0,5 große
Blendenöffnung
f/32 = 1/32 = 0,03125 kleine Blendenöffnung
i. Verschluß/
Verschlußzeit
Auch kann die maximale Lichtmenge durch die Verschlusszeit der Kamera
bestimmt werden. Je länger die Zeit eingestellt ist, je mehr Licht gelangt
auf den Film, aber auch die Gefahr der Bewegungsunschärfe erhöht sich
erheblich. Bei sich schnell bewegten Motiven soll ein kurze Verschlusszeit
angestrebt werden. Die Standarteinstellung ist 1/60 sec, jedoch soll die
Verschlusszeit nicht kleiner als die Objektivbrennweite sein (z.B 35 mm
Brennweite Verschlusszeit nicht kürzer als 1/30 sec sein).
j. Blende
und Tiefenschärfe
Schärfe ist ein sehr subjektiver Begriff, weil unser Auge ähnlich einer
Kamera gebaut ist- mit all seinen damit verbundenen Fehlern und
Auflösungsgrenzen. Grundsätzlich gilt:
Bei Aufnahmen, wo die Schärfe quasi "von vorne bis hinten" angestrebt wird,
sind kleinere Blenden (Größere Zahlen) zu wählen (....natürlich auf Kosten
der durchgelassenen Lichtmenge)
Je mehr die Blende geschlossen wird, desto größer ist der
Tiefenschärfenbereich:
|
Objektiveinstellung |
Blende |
Tiefenschärfen (m) |
|
1 Meter |
3,5 |
0,96 – 1,10 |
|
1 Meter |
4,0 |
0,93 – 1,20 |
|
1 Meter |
5,6 |
0,90 – 1,25 |
|
1 Meter |
8,0 |
0,85 – 1,30 |
|
1 Meter |
11 |
0,80 – 1,40 |
|
1 Meter |
16 |
0,70 – 1,50 |
|
1 Meter |
32 |
0,60 – 2,00 |
Für weiche, weniger scharfem Hintergrund ist die Blende auf größere Werte (kleinere Zahlen) zu stellen.
MERKE: Das Öffnen der Blende um eine Stufe verdoppelt die Lichtmenge, die den Film belichtet. Das
Schließen der Blende um einen vollen Wert verringert die Menge um die Hälfte.
Die Tiefenschärfe erhöht sich mit kleineren Blenden (Größeren nummerische
Zahlen) und wird mit größeren Blenden geringer (kleinere numerischen Zahlen).
Erfahrene Fotografen Arbeiten mit verschiedenen Blende und Verschlusszeit.
Eine richtige, ausgewogene Belichtung des Filmes ist bei Blende 5,6 und 1/60
sec ebenso möglich wie bei Blende 8 und 1/30 sec. sowie auch bei Blende 4
und 1/125 sec.
Nun hat aber unser Lichtstrahl endlich alle physikalische Hindernisse
überwunden und der Weg zur Belichtung unserem Film ist frei. Aber welche Art
Film soll belichtet werden?
k. Filmauswahl
(Dia oder Papierbilder?)
Als
letzte Station betrachten wir nun den Film.
Für den ernsthaften Amateur kommt eigentlich nur der Diafilm in Betracht,
vor allem, wenn an eine spätere Reproduktion oder Veröffentlichung gedacht
wird. Außerdem ist es möglich, von den besten Bilder Papierabzüge anfertigen
zu lassen. Abzüge von Dias sind zwar teurer als von Negativ, sind aber
qualitativ hochwertiger, vor allem wenn im Direktverfahren auf Cibachrome
oder Ektacolor- Papier vergrößert werden. Eine gute Wahl sind Diafilme der
mittleren Filmempfindlichkeit (100/21 ISO). Hat man sich für eine Filmsorte
entschieden, sollten man eine Zeitlang damit experimentieren um alle
fotografische Eigenschaften auszuprobieren. Fotohändler wie auch jeder
Fotograf ohne Erfahrung in der UW- Fotografie, wird mit Sicherheit
hochempfindliche Filme mit 400 ASA oder mehr empfehlen. Die Wahrheit ist,
dass hochempfindliche Filme einen sehr geringen Kontrastumfang wiedergeben,
was speziell in Unterwassersituationen den erwünschten Effekten genau
entgegenwirkt. Welche Marke nun gewählt wird ist eine Frage der subjektiven
Farbempfindung, Anschauung oder Philosophie.
Nun ist unser Film endlich belichtet, und wenn alle Faktoren berücksichtigt
worden sind, werden wir brilliante Unterwasser- Bilder erhalten.
2. Kapitel
a. Die
Qual der Wahl! Welcher Kameratyp ist der richtige für mich?
Wer
vor hat, sich eine Kamera für den Unterwassereinsatz zu kaufen, wird die
schwerste Entscheidung sein, ob das Geld in eine normale Landkamera mit UW-
Gehäuse investiert wird oder sich von vornherein auf ein amphibische Kamera
festzulegen. Beide Alternativen haben Vor- und Nachteile. Die Hauptpunkte
haben wir unten festgehalten:
|
|
Landkamera mit UW- Gehäuse | Amphibische Kamera | ||
| Vorteil | Nachteil | Vorteil | Nachteil | |
| Kosten | Teuer | Günstig | ||
| Bildkomposition | Präzise durch Sucher | Durch Sucher schwierig | ||
| Scharfeinstellung | Präzise | Teilweise schwierig | ||
| Zubehör | Breite Auswahl an Modellen und Objektiven für jeden Einsatzzweck | Nur kleine Auswahl von Objektiven | ||
| Einsatzzweck | Universell Einsetzbar | Begrenzt einsetzbar | ||
| In der Praxis | ||||
| Handling beim Tauchen | Ideal zum Fotografieren von scheuen Tiere | Weniger beweglich | Schnelle einfache Handhabung mit leichtem Tragekomfort | Abstandsrahmen und Stäbe für Makroaufnahmen verscheuchen mitunter scheue Objekte |
| Gewicht (Transport/ Reise mit Flugzeug) | Schwer und massig | Kompakt und Leicht | ||
| Robust | ||||
| Filmwechsel | Teilweise umständlich | Einfach | ||
| Objektivwechsel | Teilweise umständlicher. Kein Wechsel der Objektive unter Wasser möglich | Einfache Benutzung mit Zubehör von Zwischenringe bis Vorsatzlinsen für Nahaufnahmen. Wechsel unter Wasser oftmals möglich | ||
| Verwendung über Wasser | Kamera über Wasser verwendbar | Über Wasser nicht besonders einsatzfreudig außer bei Wassersport | ||
| Wartung |
Gering (Manchmal nur ein O- Ring) |
Hoch | ||
| Sonstiges | Automatischer Filmtransport | |||
Wir haben uns einmal die Mühe gemacht und Berufsfotografen gefragt, welchen Kameratyp sie bevorzugen. Die Mehrzahl fotografieren mit Spiegelreflex- Kameras und nehmen eine amphibische Kamera als Weitwinkel oder als Reservekamera mit. Diese Tatsache hat nichts mit der Qualität der Kamera zu tun; es spiegelt lediglich die Überlegenheit des Reflexsystem über eine "einfache" Kamera wider.
b. Die
Qual der Wahl! Welches Objektiv ist das richtige für mich?
Für
den UW- Gebrauch sind Objektive mit kurzer bis mittleren Brennweite am
geeignetsten. Da die Aufnahmedistanzen unter Wasser relativ kurz sind,
eignen sich Objektive mit kurzen Fokusierungsabständen:
· Makro : Brennweite 50 –200 mm
· Normal : Brennweite 35 – 50 mm
· Weitwinkel : Brennweite 18 – 28 mm
Objektive mit Festbrennweite sind den Zoom- Objektive in der Lichtstärke weit überlegen. Außerdem neigt man dazu bei den Zoom – Objektiven das Motiv heranzuholen, anstatt mit der Kamera die Wasserdistanz zu verringern. Die Auswahl des Objektives ist abhängig, welche Motive fotografiert werden sollen. Generell kann gesagt werden, dass als Einstieg ein 20 mm (Für Weitwinkelaufnahmen im Meer, oder bei schlechte Sichtbedingungen) oder ein 50 mm Objektiv gewählt werden.
c. Die
Qual der Wahl! Welcher Blitz ist der richtige für mich?
Es
ist keine Frage mehr! Wasser schluckt Licht, viel Licht sogar. So ist für
die Unterwasserfotografie das Kunstlicht unbedingt notwendig. Ob
Mischlichtaufnahme, Sklavenblitz oder eine Nacht- Aufnahme, wenigstens 9 von
10 UW- Aufnahmen werden heute mit Hilfe des Blitzlichtes fotografiert. Der
Markt bietet die unterschiedlichsten Blitzgeräte an. Auf diese Merkmale
sollte geachtet werden:
i.
Ausleuchtwinkel:
Elektronenblitze sind der bevorzugte Weg, die fotografischen Zutaten Farbe,
Kontrast und zusätzliches Licht in UW- Aufnahmen einzubringen. Für
Nahaufnahmen sind kleine, oftmals manuelle Blitzgeräte ausreichend, während
für Weitwinkelfotografie große Blitze mit ausreichendem Abstrahlwinkel und
Lichtleistung nötig sind. Es ist darauf zu achten, aß der Abstrahwinkel des
Blitzlicht größer ist als der Winkel des Objektives, sonst gibt es dunkle
Bildränder.
ii.
Leistung:
Die
Leistung eines Blitzgerätes wird in Wattsekunden (Ws) oder als Leitzahl
angegeben. Die Leitzahl ermöglicht, die korrekte Blende aus dem Bruch der
Leitzahl durch die Aufnahmeentfernung zu berechnen. Die meist so
hochgejubelten Leitzahlen, spielen aber nur ein sekundäre Rolle. Die Meinung,
man müsse mit einer "Lichtkanonen" ausgerüstet sein (...nach dem Motto:"
Viel hilft viel!"), ist schon seit langem überholt. Zu starke Blitzgeräte
bringen tatsächlich mehr Nachteile als Vorteile. Z.B. schwarzer Hintergrund
wegen kleiner Blendenöffnung oder das Foto ist mit helle Punkte (Schwebeteile)
wegen dem starken Lichtblitz übersät. Mischlicht ist bei der heutigen UW-
Fotografie aktuell. Es genügt ein Blitz mit der Leitzahl zwischen 8 und 11.
iii.
Farbtemperatur:
Die
Farbtemperatur des Blitzes soll ca. 5000°K betragen um natürliche Farben zu
erhalten. Wärmeres Licht erzeugt bessere Wiedergabe der Hauttöne.
iv.
Manuell oder TTL?
Generell kann gesagt werden, dass das manuelle Blitzen nur bei
Weitwinkelfotografie Vorteile bringt. Auch beim Arbeiten mit einem
Sklavenblitz empfiehlt es sich manuell zu Arbeiten. Bei allen anderen
Aufnahmen arbeitet der TTL exakt und vor allem schneller. (Vorausgesetz man
arbeitet mit dem TTL richtig!).
v.
Stromversorgung:
Das
wohl wichtigste Kriterium beim Kauf eines Blitzgerätes ist die Frage der
Stromversorgung. Blitzgeräte mit wiederaufladbare Batterien oder Akkus sind
den regulären Batterien vorzuziehen. Auswechselbare Akku- Pakete sind den
fest eingebauten vorzuziehen.
vi.
Gewicht:
Ein
entscheidender Faktor ist auch das Gewicht bzw. der Auftrieb des Blitz-
Gerätes unter Wasser (Wichtig bei Point- Shooting) . Der Blitz bzw. das
gesamte Kamera- System sollte UW neutral oder ein wenig negativen Auftrieb
besitzen
vii.
Sonstiges:
Ein
eingebauter Sensor für Sklavenblitz ist von Vorteil.
Ebenso von Vorteil sind die Nasskupplungen. Blitzgeräte können je nach
Bedarf umgesteckt. werden. (Ist aber für den Hobby- Fotograf nicht relevant).
Eine integrierte Pilotlampe ist unverzichtbar bei der nächtlichen Fotopirsch.
Auch ist ein Notsignal (SOS-Licht) von Vorteil.
3. Kapitel 12 einfache Regel für erfolgreiche Unterwasser- Bilder
1. Versuchen Sie nicht alles auf einmal! Lösen Sie ein fotografisches Problem. nach dem anderen, z. B. Weitwinkel oder Makro- Fotografie.
2. Notieren Sie alle wichtigen Details Ihrer Aufnahmen und vergleichen Sie Ihre Ergebnisse damit. Nur ein ständiges "Feedback " hilft Ihnen beim Lernprozeß. Verwenden Sie die Einstellungen, die Ihnen konsistente, gute Resultate bringen.
3. Blitzposition: Bringen Sie den Blitz so weit wie möglich von der Kamera entfernt an, so dass der Lichtkegel einen Winkel von etwa 45 Grad mit der Aufnahme- Achse einnimmt. Kontrollieren Sie die Position durch Ansicht von oben und seitlich.
4. Für Ihre ersten Versuche positionieren Sie den Blitzkopf bereits außerhalb des Wassers auf eine vorbestimmte Entfernung. Wenn Sie den Blitz unter Wasser einstellen, vergessen Sie nicht, dass die tatsächliche Objektentfernung etwa 1/3 hinter der scheinbaren Entfernung liegt. Kontrollieren Sie die Blitzstellung seitlich und von oben.
5. Ermitteln Sie die Blende, die Ihnen bei einer bestimmten Entfernungseinstellung die beste Belichtung liefert, entweder durch Berechnung unter Verwendung der Leitzahl oder durch Experimentieren. Fertigen Sie danach Ihre persönliche Belichtungstabelle an, und machen Sie immer drei Aufnahmen: eine mit der theoretisch korrekten Blende und zwei weitere mit jeweils einer Blende Über- und Unterbelichtung. Auf diese Weise werden Objekte mit ungewöhnlicher Reflektivität richtig belichtet.
6. "Ran an den Feind!" Versuchen Sie, so nahe wie möglich an Ihr Objekt heranzukommen, ohne wesentliche Teile abzuschneiden. Fotos im Nahbereich haben eine starke visuelle Wirkung und eine höhere Farbsättigung.
7. Versuchen Sie anfänglich nicht, die Schärfe am Objektiv ständig nachzustellen, während Sie einem Motiv folgen. Stellen Sie die Schärfe auf etwa 90 cm oder kürzer ein, und schleichen Sie sich an Ihr Motiv heran, bis es im Fokus ist.
8. Merken Sie sich die Position der Sonne zu Beginn des Tauchganges, und machen Sie nur Aufnahmen auf der "Sonnenseite" eines Riffs. Sie sollten wenigstens ein paar Fotos machen, die die Oberfläche und Sonne mit einschließen. Solche Gegenlichtaufnahmen haben eine starke visuelle Wirkung, weil Sie Silhouetten betonen und interessante Hintergrundeffekte erzielen.
9. Der beste Aufnahmewinkel ist horizontal oder leicht gegen die Oberfläche gerichtet; versuchen Sie nicht, Fotos nach unten oder zum Boden aufzunehmen.
10. Wenn Sie den Hintergrund Ihrer Blitzaufnahmen aufhellen wollen (mehr Tageslicht), folgen Sie einem der nachstehenden Tips:
· Verwenden Sie eine langsamere Belichtungszeit (z. B. 1/30 Sekunde), aber nur für stationäre Objekte.
· Verringern Sie die Energiestufe Ihres Elektronenblitzgerätes, und verwenden Sie eine entsprechend größere Blende (z. B. eine volle Blende bei Reduktion auf Halbenergie, zwei Blendenstufen bei Reduktion auf 1/4 Energie, vier Blenden bei Reduktion auf 1/16 Energie).
11. Wenn Sie den Hintergrund dunkler haben wollen, um sich auf das Objekt zu konzentrieren:
· Suchen Sie eine Aufnahmeposition im Schatten.
· Gehen Sie so nahe wie möglich an das Objekt heran.
· Verwenden Sie Ihren Blitz bei voller Energieleistung und einer entsprechend kleinen Blende.
· Verwenden Sie die kürzeste Verschlusszeit, die es Ihnen noch erlaubt, synchronisierte Blitzlichtaufnahmen zu machen (l/90 Sekunde mit der Nikonos IV-A und V; 1/60 Sekunde mit den meisten anderen Kameras).
12. Fotografieren Sie in klaren, sonnendurchfluteten Gewässern, sofern dies möglich ist.
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